2/20/2015

Die Sache mit dem Heißhunger

Wenn man das Gefühl hat niemals mehr nach Hunger und Sättigungsgefühl essen zu können, dann kann das ganz schön Angst machen.
Oder noch schlimmer : Essen, Essen, Essen - bis hin zu Bauchschmerzen, die kaum zu ertragen sind und trotzdem nicht genug bekommen. Ein teuflischer Kreislauf.

Als normal funktionierender und stimmig laufender Organismus essen wir so viel bis wir satt sind. Und für diesen Mechanismus sind zwei wichtige Hormone von ganz entscheidender Bedeutung.
Leptin und Ghrelin.
Leptin wird hauptsächlich in den Fettzellen gebildet und wird ausgeschüttet um dem Körper zu signalisieren, dass wir satt sind. Weniger Fettzellen, die sich um unseren Hüften und Oberschenkel befinden und je weniger wir essen, desto weniger Leptin wird auch freigesetzt. Nach einer Woche stark kalorien- und kohlenhydratreduzierten Diät kann der Leptinspiegel um ungefähr 50% sinken. Unser Gehirn erhält nicht mehr ausreichende 'Sättigungs-Signale' und versucht uns mit einem ständigen Drang nach Essen dazu zu bewegen, der Nahrungsknappheit ein Ende zu setzen. (und darüber hinaus für die nächste Dürreperiode gleich schonmal vorab vorzusorgen.)
Hungern ist purer Stress für unseren Körper.
Gegenspieler zum "Sattmacher" Leptin ist also das Wachstumshormon Ghrelin.
Ghrelin hat seinen großen Auftritt wenn wir einen leeren Magen haben, aber auch wenn wir unter Schlafmangel leiden. Allerdings wurde auch herausgefunden, dass es Angstgefühle und Depressionen dämpfen kann.  Auch wenn wir Stress haben schüttet der Körper Ghrelin (und auch Cortisol (fördert vor allem die Gewichtszunahme am Bauch)) aus, was wiederrum dazu führt dass wir natürlich mehr Hunger haben.
kein Wunder also, dass ein Körper, der Wochen, Monate oder sogar Jahre unter Hunger leiden musste und vielleicht zusätzlich noch übermäßig sportlich gefordert wurde, eine ganze Menge Ghrelin ausschüttet.
Irgendwie also ganz logisch. Wenig Leptin -> viel Stress -> viel Ghrelin -> HUNGER!
Unser Hormonhaushalt muss also im besten Fall ausbalanciert sein, damit Leptin, Ghrelin usw. gut miteinander wirken können und unser Körpergewicht so halten, dass eben genau diese Vorgänge am Besten funktionieren. So könnte man auch die Set-Poin-Theorie erklären. Unser Körper hat nun mal ein Gewicht, mit dem diese hormonellen Vorgänge reibungslos ablaufen, solange keine anderen Faktoren (wie Sport, Stress, Restriktion etc.) mit hinein wirken. Unser Körper weiß was er tut.
Alles ein bisschen kompliziert, aber irgendwie auch logisch.

Jedenfalls, nach Zeiten in denen wir unseren Körper Hungern lassen haben ist unser Hormonhaushalt völlig durcheinander. Wenn wir anfangen zu Essen und auch viel zu Essen, dann kann es passieren, dass wir uns zwar physisch voll fühlen aber irgendwie noch Hunger haben. Unser zentrales Nervensystem hat noch nicht genug. Es will die Speicher füllen und unseren Energiehaushalt wieder ausbalancieren. Und solange wir unserem Körper auch dann noch das Essen verwehren, wonach er so eindringlich verlangt, bremsen wir den Heilungsprozess. Unser Körper schreit nach mehr. Er hat Angst nicht genug zu bekommen, den Schaden den wir angerichtet haben nicht reparieren zu können und er hat auch Angst, dass das Hungern wieder losgeht und will vorsorgen.
Im Grunde ist und bleibt es so, dass unser Körper das alles nicht umsonst macht und schon gar nicht um uns zu ärgern oder gar zu schaden. Unser Körper ist darauf ausgelegt zu funktionieren und sich selbst am Leben zu halten. Er ist für uns da, komme was wolle.

Wenn wir einen ganzen Tag nichts trinken können und dann am Abend endlich wieder an Wasser kommen, dann trinken wir womöglich auch so viel auf einmal, dass uns schlecht wird. Unser Wunderwerk Körper versucht einfach seinen Bedarf nachzuholen.
Halten wir die Luft an, solange wir können, dann atmen wir danach auch nicht einfach mit kurzen, flachen Atemzügen weiter. Wir atmen einmal so tief ein wie wir können.
Unsere Lungen füllen sich mit so viel Luft wie sie aushalten können. Also, wieso soll das bei unserem Essen was anderes sein?
Ein Körper, der so lange nicht genug Nahrung bekommen hat um einfach nur zu überleben und angefangen hat sich von sich selbst zu ernähren, zeigt mit seinem unbändigen Verlangen nach allem Essbaren nur, dass er genauso funktioniert wie er sollte. Er will uns heilen und uns beschützen.
Also, wieso sollten wir einer irrationalen und völlig banalen Angst nachgeben.
Was sind ein paar Kilo, ein paar Nächte mit schlechtem Gewissen, so hart wie es in diesem Moment auch scheint, gegen ein Körper, der genauso funktioniert wie er sollte?
Der dafürt sorgt, dass wir ausgeglichen sind.
Der soviel zu Essen verlangt, wie er braucht und genau so sein Gewicht hält.
Ich denke, das hört sich ziemlich wunderbar an.

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