10/21/2014

Vergiss dabei den Körper nicht.

Erstmal eine Sache die ich gern anmerken würde und die ich mir selbst immer wieder vor Augen halten musste ist, dass du ausreichende Nahrungszufuhr und Essen nicht nur verdient hast, wenn dein BMI in einem erschreckend tiefen Bereich ist. Du bist in einem niedrigen oder sogar völligen Normalgewicht, leidest aber trotzdem unter essgestörten Gedanken, Verhaltensmustern und Angst gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln? Das ist hart und belastend und nicht weniger ernst zu nehmen als bei jemandem mit einem BMI XY.
Ich glaube, die meisten Essgestörten wissen auch recht genau, wie viel oder eben wenig sie so tag täglich zu sich nehmen. Nur um mal kurz darüber im Klaren zu werden.
Nehmen wir zwei Mädels, beide gesund und mit normaler und ausreichender Kalorienzufuhr. Die eine hat einen BMI von gesunden 23 und die andere war schon immer ziemlich schlank. Vielleicht so BMI 19. Beide reduzieren ihre Kalorienzufuhr drastisch und bleiben damit weit unter ihrem Grundumsatz. Das Mädchen mit BMI 23 nimmt auf BMI 20 ab. Klinisch also okay und im unteren Normalbereich. Bei der anderen sieht es dann schon eher schlecht aus, ihr BMI sinkt auf 16 ab. Also Untergewicht und sogar im anorektischen Bereich. Wer bitte kann mir jetzt sagen, welche der Beiden hier die gesündere ist ? Das Mädchen, dass auf BMI 20 abgenommen hat ? 
Falsch, beide haben negative Energiebilanzen erzeugt. Über längere Zeit und auf ungesunde Weise. Sie haben beide ihren Körper hungern lassen. Nicht einmal die Nahrung die der Körper für alle grundlegenden und lebenserhaltenden Maßnahmen benötigt, haben sie ihm gegönnt. Was passiert also? 
Der Körper zieht die nötige Energie die er nicht über das Essen bekommt aus sich selbst und seinen vorhandenen Energiespeichern. Das wären also als erstes die in Leber, Nieren und Muskeln vorhandenen Kohlenhydratspeicher, später werden auch die Fettdepots und Proteine genutzt um uns am Laufen zu halten. Das Gefährliche daran?
Unsere Muskeln (und dazu gehört auch unser Herzmuskel, das sollte man nicht vergessen) und auch viele andere Zellen bestehen aus Proteinen, werden also bis zu einem gewissen Grad abgebaut und in Glucose umgewandelt, um wenigstens unsere lebenswichtigen Organe mit Energie zu versorgen. Schon nach weniger als 10 Tagen stellt der Körper sich um und stellt um sich am Leben zu erhalten einige Funktionen herunter. Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur sinken.
Im Grunde ist die Natur viel cleverer als unser Verstand. Tiere, die Winterschlaf halten machen nämlich genau das : sie fahren einige Körperfunktionen herunter, weil sie nicht genug Nahrung finden können. Sie überleben also einen harten Winter ohne ausreichend Futter nur, wenn der Körper auf Sparflamme läuft.
Aber wollen wir wirklich, dass unser Körper auf Sparflamme läuft ? 


Wir können ja mal schauen wie viel Kalorien einzelne Organe für sich beanspruchen : 


Prozentualanteil am Grundumsatz
Leber26 %
Muskeln26 %
Gehirn18 %
Herz9 %
Nieren7 %
Andere 14 %

Im Internet gibt es leider so viele verschiedene Werte, die aber am Ende ungefähr auf das Gleiche kommen. Die hier sind von : http://www.dw.de/so-reagiert-der-k%C3%B6rper-auf-hunger/a-6641241



Für mich war es ein ziemlich erschreckender Gedanke, zu wissen dass ich meinem Körper nicht genug Energie gegönnt habe, um auch nur zu funktionieren. Am Anfang zählte nur der Gedanke, dass mein Körper dann an die Fettreserven geht, alles andere habe ich außer Acht gelassen. Ziemlich unklug und sehr unfair diesem Körper gegenüber, der nur für mich arbeitet. Für mich und dafür, dass er für alles herhalten kann, was mich glücklich macht. Der die Grundlage dafür ist, dass ich im Leben alles machen kann, wovon ich träume, solange ich dafür kämpfe.
Wahrscheinlich haben wir das schon viel zu oft gehört, aber es bleibt einfach so so wahr :
Unser Körper ist das Einzige, was uns durch unser Leben trägt und dafür sorgt, dass wir machen können was wir machen möchten und gehen können wohin wir wollen. 
Unser Körper hält so vieles für uns aus und kämpft gegen Viren und Bakterien für uns.
Wir dürfen das einfach nicht vergessen.



1 Kommentar:

  1. Super guter Text, ich bin wohl eher die mit BMI 23...
    Hab dich bei Instagram gefunden, so kam ich auf deinen Blog. Bleib stark :)

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